Headillu

Stürmische Zeiten an den Finanzmärkten gehen derzeit mit bemerkenswert stabilen Fahrwassern bei der Realwirtschaft einher. Der Außenhandel blickt auf ein hervorragendes Jahr 2011 zurück - mit vorsichtig optimistischen Erwartungen für 2012.

Man kann sagen, dass 2011 zweifellos ein weiteres Boomjahr für den deutschen Export war.

Im Gesamtjahr 2011 werden unsere Ausfuhren voraussichtlich nominal um 12 Prozent auf 1075 Milliarden Euro steigen. Die Importe steigen mit plus 14 Prozent noch dynamischer als die Exporte und erreichen 919 Milliarden Euro. Per Saldo ergibt sich ein Außenhandelsüberschuss von 156 Milliarden Euro, nach 153 im Vorjahr. Zum ersten Mal in der Geschichte haben wir die Marke von einer Billion Euro beim Export erreicht, an der wir im Boomjahr 2008 noch knapp gescheitert waren.

Eine besondere Dynamik weisen dabei die Exporte in die Länder außerhalb der EU auf: Sie können um 14 Prozent zulegen. Die Ausfuhren nach China steigen 2011 um knapp ein Viertel, jene nach Russland gar um circa 35 Prozent, und selbst in das krisengeschüttelte Japan verzeichnen wir wieder ein Plus von voraussichtlich 12 Prozent, ebenso wie bei den Ausfuhren in die USA.

Nicht weit dahinter rangieren allerdings die Ausfuhren in die Staaten der EU, die um immerhin 11 Prozent zulegen werden – und dies trotz der Effekte der Schuldenkrise! Zwar ist es zutreffend, dass die Ausfuhren in einige Länder aufgrund der Sparmaßnahmen und der krisenbedingten Investitions- und Konsumzurückhaltung rückläufig sind.

So sind unsere Exporte nach Griechenland jüngst um knapp 8 Prozent und jene nach Portugal um knapp 4 Prozent zurückgegangen. Tatsache ist aber auch, dass die Ausfuhren nach Nord- und Mitteleuropa weiter stabil wachsen. So können die Exporte nach Ungarn und Rumänien in diesem Jahr um knapp 20 Prozent steigen.

Der Welthandel wird 2011 um acht Prozent zulegen, Deutschland damit seinen derzeit bei 9,5 Prozent liegenden Anteil erneut leicht ausbauen können. Wir verteidigen damit abermals unser „angestammtes“ Stück des globalen Kuchens – eine bemerkenswerte Leistung angesichts des Auftretens immer neuer Wettbewerber, die technologisch immer mehr zu uns aufschließen.

Für 2012 kann mit einem Zuwachs der Exporte um mindestens sechs Prozent auf 1139 Milliarden Euro gerechnet werden, die Einfuhren werden um rund sieben Prozent auf 983 Milliarden Euro zulegen können. Der Außenbeitrag stagniert bei 156 Milliarden Euro auf hohem Niveau.

Die Gründe für die Abschwächung der Weltkonjunktur liegen auf der Hand: Die Aufholeffekte nach der Finanzkrise sind weltweit vorbei, die globale Nachfrage schaltet einen Gang zurück. Dennoch gehören wir nicht zu denen, die die Konjunktur schlechtreden.

Mit dem erwarteten Exportzuwachs liegen wir absolut im langjährigen Mittel. Insbesondere bei den mittelständischen Unternehmern ist die Stimmung für das nächste Jahr vorsichtig optimistisch – das gilt insbesondere für den Investitionsgüterbereich und tendenziell für unsere Exporte in den Dollarraum.